Bleistift spitzen, nutzen – und es gelingt. Eine schreibkulturelle Hommage

Quelle: pixabay.com

Einige werbende Worte, damit wieder zu einem vergessenen Kumpan großer Momente und bleibender Impressionen gegriffen wird – dem Bleistift.

Aus den Schreibutensilien weitgehend verdrängt

Geht es um handschriftliche Notizen, abseits des verbreiteten Gebrauchs von Tastaturen und Mäusen, findet noch immer ein Schreibgerät den Weg zwischen die Finger, das dazu bestimmt ist, auf Andruck eine Materialspur auf dem Untergrund zu hinterlassen.

Das wird meistens auf Papier geschehen, welches von einer Handschrift höchst persönlich und einzigartig verziert werden möchte. Bonus, wenn leserlich.

An geeigneten Schreibgeräten kommen meist Filzschreiber oder Kugelschreiber zur Anwendung, wenn überhaupt. Elitäre Sonderlinge greifen geziert zum Füllhalter, doch diese sind noch seltener unter den Handschreibern.

Vergessen wir nicht ein älteres, gereiftes Schreibmittel, an das kaum noch jemand denkt und das irgendwie für gering erachtet wird – der schlichte Bleistift in seiner Holzumhüllung. Er hat so seine Vorteile. Er zeigt immer an, wie lange er noch halten wird – durch seine physisch greifbare Restlänge.

Als Stummel gewinnt er dagegen an Mobilität und passt in jede Münztasche an der Hose. Er ist ein Naturprodukt: gepresstes Graphit (aber kein Blei) als Seele in einem Holzstab, der ihm zur Führung dient und seinen Bruch verhindern soll. Er ist durch Anspitzen leicht auf Zack zu halten und im Unterschied zu Kugelschreibern funktioniert er auf Papier so gut wie immer – der klassische Bleistift, ob rund oder eckig ummantelt, naturbelassen oder farbig im Anblick.

Für einen Moment der Besinnung oder das Alltagsgeschäft

Hier und da sieht man den Bleistift tatsächlich noch im Handel.

Nicht nur als Zimmermannsbleistift in den Billigartikelkörben vor den Kassen der Baumärkte. Nein, manchmal kommt er poppig in bunten Designs seines Holzschaftes daher, oder in Aufmerksamkeit erheischenden Sonderformen wie einem dreieckigen Schaft oder gleich mehrfarbig in einer einzigen Mine verpresst, wo die Aufdruckseite die Farbe bestimmt.

Er mag einen kleinen Radiergummi am anderen Ende in dünnes Blech gepresst aufgesteckt haben. In den Schulen scheint er noch verwendet zu werden, denn bei Schulartikeln ist er noch am ehesten zu finden. Aber sonst?

Viele ehemalige Nutzer haben schon fast vergessen, dass es ihn in verschiedenen Härtegraden gibt; dass er mal graubleich und mal fast schwärzlich auf dem Papier spurt. Er gehört zu den sinnlichsten Schreibwerkzeugen überhaupt, höchstens getoppt von einem Federkiel im Tintenfass, aber das wäre dann doch zu ‚oldschool‘, zeitraubend und zu ineffektiv im Gebrauch.

Dazu muss man wissen, dass das sinnliche Element eine Rolle beim Schreiben spielt, durchaus eine haptische Erfahrung für Finger, die es leid sind, mit ihren Kuppen auf Tasten zu hämmern. Und das formt in einer Art Zwiesprache den Gedanken mit, den man darüber ausgedrückt sehen möchte – konkret als gefärbte Druckspur auf dem Papier. Er ist besser als sein Ruf, der Bleistift. Aber hat er überhaupt noch einen?

Nein, er ist als Low-Tech Relikt und Fossil des Schreibkulturbetriebs fast vergessen worden.

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